Johannes:
Der UN-Klimagipfel von Kopenhagen ist am Samstag zu Ende gegangen. Das „Ergebnis“: die Weltgemeinschaft nimmt eine nicht bindende politische Erklärung „zur Kenntnis“. Vor diesem Hintergrund grenzt die Äußerung von UN-Generalsekretär Ban, ein „entscheidender Schritt nach vorne“ sei erreicht worden, an Realitätsverlust.
Das erste Jahrzehnt des Jahrtausends geht unrühmlich zu Ende. Denn nationale Interessen behalten die Vorfahrt, weil kurzfristige, industrielle Machtpolitik eine sichere Fahrt in die Zukunft verhindert.
Die Verhandlungsführer haben es als untragbares Risiko betrachtet, den ersten Schritt auf den anderen zuzugehen, weil man dann als schwach wahrgenommen und am Ende über den Tisch gezogen werden könnte. Die Delegationen in Kopenhagen wähnten sich im Stellungskrieg untereinander, nicht im gemeinsamen Kampf zum Schutz des Klimas. Wer seinen Schützengraben verlässt, setzt sein Land großer Gefahr aus, nur so lässt sich das teils absurde Verhandlungsgebahren erklären. In diesem Klima der Angst voreinander kann man miteinander nicht das Weltklima retten.
Um der Weltwirtschaftskrise zu begegnen wurden in kürzester Zeit zweitausend Milliarden US-Dollar bereitgestellt. Dies zeigt, dass auch großen internationalen Herausforderungen schnell und gemeinschaftlich begegnet werden kann. Der Grundsatz “too big to fail”, „zu groß um zu scheitern“ der für viele Banken gilt, scheint aber für die Zukunft unseres Planeten nicht zu gelten.
Es besteht eine unzweifelhafte Dringlichkeit dem Klimawandel entgegenzuwirken, doch das kommt bei der Politik noch nicht an. Kinder und Kindeskinder haben ebenso wenig eine Lobby wie die Menschen aus den Entwicklungsländern. Aber genau sie werden es sein, die am meisten unter einem ungebremsten Klimawandel leiden werden. Das Versagen der Regierungen in Kopenhagen beherrscht die Schlagzeilen dieser Tage, aber spätestens unter dem Weihnachtsbaum singen wir „Oh Du Fröhliche“ und vergessen gerne, dass wir in diesen Tagen dem Abgrund wieder ein Stückchen näher gekommen sind.
Auf dieses Vergessen scheinen die Politiker zu vertrauen, solange Klimapolitik in den Wahlkämpfen keine Rolle spielt. Erst wenn die Bürger ihre Macht als Wähler und Verbraucher nützen, die Klimablockierer abwählen und klimaschädliche Produkte konsequent meiden, dürfen wir uns mit Recht über solche Ergebnisse wie in Kopenhagen empören.
Der Einzelne kann für den Klimaschutz mehr tun als viele denken: Geräte mit geringem Verbrauch kaufen, weniger fliegen, im Winter die Wohnung nicht auf sommerliche Temperaturen heizen oder weniger Fleisch essen und häufig spart dies auch noch Geld. Doch reicht das aus, um die Welt zu retten?
Unser Staat verschuldet sich immer mehr, aber auch ökologisch leben wir längst auf Pump. Jeder von uns ist jährlich für 9,7 Tonnen CO2 verantwortlich. Klimaverträglich sind – so sagen führende Wissenschaftler – nur zwei Tonnen pro Jahr. So haben wir rechnerisch schon am 16. März eines Jahres unser Budget ausgeschöpft. Dieses Datum zeigt, dass vieles im Argen liegt. Da hilft es uns Deutschen wenig, dass die Amerikaner schon Anfang Februar beim Planeten Kredit aufnehmen. Doch irgendwann werden die Konten gesperrt und es gibt keine Möglichkeit neue zu eröffnen. Viel schlimmer: der Konkurs unserer gemeinsamen Bank, der Erde, betrifft uns dann alle, nicht nur diejenigen, die über ihre Verhältnisse gelebt haben.
Noch ist es nicht zu spät, den Klimawandel auf 2 Grad zu begrenzen. Schon viel zu oft wurde ein umfassendes Klimaschutzabkommen aufs jeweils nächste Jahr vertagt. Aber für das 2°-Grad-Ziel bleibt uns nur noch wenig Zeit. Reicht es für die Rettung der Erde aus, wenn sich Einzelne klimafreundlich verhalten? Nach Kopenhagen müssen wir feststellen, dass ein weiterer Schritt zwingend notwendig ist. Gerade die junge Generation hat auch das legitime Recht aktiven Widerstand – bis hin zum gewaltlosen zivilen Ungehorsam – zu leisten. Wenn wir unsere Zukunft nicht auf’s Spiel setzen wollen muss jetzt gehandelt werden!











